BreitbildFrauenbergApril2020
16.03.2021 erstellt von: Wolf-Ulrich Schlösser


Fahrradklimatest 2020 - Fulda bleibt bei schlechten Noten, Künzell wird Schlusslicht in Hessen

Sperrung der Dalbergstraße für Radler 2017

Wunschdenken und gefühlte Realität
Der am heutigen Dienstag im Verkehrsministerium vorgestellten ADFC-Fahrradklima-Test 2020 zeigt für Fulda und Künzell ein trauriges Meinungsbild:
Fulda landet in Hessen erneut auf dem vorletzten Platz der vergleichbaren Städte seiner Größe. Und das trotz der von Politik und Verwaltung gepriesenen vielen Investitionen in die Radverkehrsinfrastruktur. Fulda erhielt für die Fahrradfreundlichkeit die Schulnote 4,25 (im Vergleich dazu 4,24 im Jahr 2018, 4,28 im Jahr 2016 und 4,15 im Jahr 2014) – das bedeutet weiter Stillstand in der Meinungsumfrage unter den Radfahrenden. Die Ergebnisse sind auch im Detail nahezu unverändert:


Fahrradklimatest 2020 - 800

Positiv sind von den Radfahrenden die Wegweisungen in Fulda, die geöffneten Einbahnstraßen und die Diebstahlsicherheit bewertet worden. Dem stehen die Breite der Wege, die Führung an Baustellen, fehlende Falschparkerkontrolle und das Sicherheitsgefühl mit besonders schlechten Noten gegenüber.
Künzell hat es diesmal erstmals in die Wertung geschafft, aber auf Anhieb ein peinliches Ergebnis eingefahren: Die Note 4,57 verweist Künzell auf den letzten Platz unter Hessens Gemeinden dieser Größe. Dass in Künzell das Fahrrad recht sicher vor Diebstahl scheint, ist noch ein positiver Aspekt. Dagegen fühlen sich die Menschen in Künzell noch unsicherer auf dem Rad als in Fulda und besonders kritisiert werden die Breite der Wege, das Fahren auf Radfahrstreifen, die Kontrolle von Falschparkern und allgemein der Stellenwert des Radverkehrs und die Werbung dafür.
In Fulda haben diesmal 406 und in Künzell erstmals 59 Menschen an der alle zwei Jahre stattfindenden Umfrage unter Radfahrenden mitgemacht.
Fotos von Politikern auf dem Rad oder neben Radfahrenden – wer kennt sie nicht? Masterplan Green City, Verkehrsentwicklungsplan und wieder ein neues Radverkehrskonzept für Fulda – geredet, debattiert und geplant wird viel. Die Umsetzung schwächelt. Immer wieder hören wir von Fuldaern, dass das Radnetz ein Flickenteppich ist.
Und Künzell: Die Befragten reklamieren ungepflegte Radwege und einseitige Schutzstreifen, die Radfahrende gefährden. Bei ihnen entsteht der Eindruck, dass der Bau von Fahrradwegen bei der Erneuerung von Straßen schlicht vergessen wird, sowohl in der Gemeinde als auch zwischen den Ortsteilen.

Der ADFC Fulda fordert mit dem Slogan „Mehr Platz fürs Rad“ nicht nur in der Peripherie, sondern auch dort, wo es enger wird, dass Radverkehr mit mehr Sicherheit möglich wird. Die Menschen brauchen ein durchgängiges Netz guter Radwegeverbindungen, wenn nötig auch zu Lasten des motorisierten Verkehrs oder des Parkraums, und eine Verkehrsberuhigung. Der ADFC fordert, alle Straßenplanungen auf ihre Fahrradfreundlichkeit zu überprüfen und - wenn erforderlich - zu korrigieren.
EU, Bund und Land Hessen stellen vielfältige Fördermittel bereit. Die Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen (AGNH) hat viel Rüstzeug zur Planung entwickelt und sie bietet zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen an. Fulda ist Mitglied bei der AGNH, auch einige andere Gemeinden im Landkreis, Künzell leider nicht.
Insbesondere dort, wo es dem ADFC zusammen mit den Radentscheid-Bewegungen gelungen ist, die kommunale Politik in Bewegung zu setzen, hellt sich das Fahrradklima merklich auf: Zum Beispiel Frankfurt am Main verbesserte sich durch die Erfüllung von Radentscheid-Forderungen um 0,22 Notenpunkte und ist damit Aufsteiger unter Deutschlands größten Städten. Auch Darmstadt verbessert sich mit der Einrichtung der von der Bevölkerung gewünschten geschützten Radspuren um 0,14 Notenpunkte. In Kassel dagegen sind die Radfahrenden enttäuscht, weil zu wenig geschieht – und das Wenige zu lange dauert.
Rekord: Rund 230.000 Teilnahmen, 1.024 Städte in der Wertung.
Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrradclub ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2020 zum neunten Mal statt. Rund 230.000 Radfahrerinnen und Radfahrer haben bei diesem Durchgang abgestimmt, davon nur 15 Prozent ADFC-Mitglieder. 1.024 Kommunen kamen in die Wertung, mehr als jemals zuvor. In ganz Hessen waren es 20.000 Radfahrerinnen und Radfahrer, das sind 54 Prozent mehr als 2018. 108 Kommunen in Hessen haben die erforderlichen Stimmen für die Auswertung erreicht, das sind 52 Prozent mehr als 2018.
Bei den 27 Fragen ging es darum, ob man sich auf dem Rad sicher fühlt, wie gut die Radwege sind und wie die Kommune das Fahrradfahren fördert. Damit fundierte Ergebnisse erzielt werden, müssen pro Stadt mindestens 50, bei größeren Städten mindestens 75 beziehungsweise 100 Abstimmungsergebnisse vorliegen. Die Ergebnisse des Tests haben durch die breite Bürgerbeteiligung hohe Aussagekraft und können Kommunen helfen, das Angebot für Radfahrende gezielt zu verbessern.
Über den ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit über 200.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Der ADFC Hessen e.V. arbeitet auf Landesebene, der ADFC Fulda e.V. im Landkreis Fulda. Die detaillierten Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020 finden Sie auf https://fahrradklima-test.adfc.de/ .


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